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Aufgabenstrukturierung und Selbstvertrauen

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Aufgabenstrukturierung und Selbstvertrauen

Beitrag von Oldaspie am Sa 08 Nov 2014, 22:11

Vorbemerkung: ich bin im Rentenalter, spät diagnostizierter Asperger-Autist und denke gelegentlich im Rückblick darüber nach, ob sich Gegebenheiten in meinem Lebenslauf durch das Asperger-Sndrom leichter erklären lassen als durch andere Ansichten.

Von mir und vielen anderen Aspies weiß ich, daß Prokrastination, das Verschieben von Aufgaben, ein großes Problem darstellt. Der erste Schritt zu einfachsten Dingen wie der Zubereitung einer Mahlzeit erscheint unüberwindbar schwierig, insbesondere wenn auch noch Medikamente gegen Depression ihren Stupor ausüben. Wie beruhigend ist da doch der Ausweg in die täglich ausgeübte Routine, z.B. das aktuelle Special Interest zu verfolgen oder sich unendlich im Internet zu bewegen.

Gerade bei den Special Interests wird aber eine unverminderte Leistungsfähigkeit sichtbar. Einen ganzen Tag für ein Hobby oder ein sonstiges Unternehmen, z.B. eine Renovierung, zu arbeiten, und das jeden Tag, ist überhaupt keine Schwierigkeit. Auch wenn man seine Arbeitsfähigkeit eingeschränkt glaubt, ist man bei entsprechendem Antrieb doch mindestens so leistungsfähig wie ein Berufstätiger, der z.B. eine Erkrankung mit Hilfe von Pillen oder Willenskraft zurückdrängt.

Hinzu kommt ein ausgesprochenes Festhängen an eingeübten Tagesabläufen, die aufgrund irgend welcher Vorfälle und Veränderungen auch nach monate- oder gar jahrelanger Stabilität in einen anderen Zustand "kippen" können. In manchen Jahren wird täglich einer Verdienstquelle wie Ebay-Verkäufen nachgegangen, in anderen Jahren Grundstück und Haus saniert, oder es wird beispielsweise intensiv Musik studiert und ausgeübt. Der Mechanismus der "Superkonzentration", der eigentlich einen evolutionären Vorteil des "Aspies" gegenüber dem "NT" (neuraltypischen Mitglied der Gesellschaft) darstellt, kann sich hier fatal auswirken.

Hat dies mit den speziellen Einschränkungen zu tun, die man dem Asperger-Syndrom nachsagt? Ich glaube, ja. Die "Angst vor dem Unbekannten" führt zu einem absolut zerstörten Selbstvertrauen, mit einer Notwendigkeit fertig zu werden oder einfach nur, eine Unternehmung anzugehen, von der man sich Schönes erhofft. Man will auf jeden Fall bis in die kleinsten Einzelheiten im Voraus wissen, was sich abspielen wird.
Widmet man sich dann einer Aufgabe, so erweist sie sich manchmal als so trivial, daß man sich fragt, warum man sie nicht längst erledigt hat.

Das Beispiel von Freunden kann helfen. Vor 30 Jahren kam eine junge Sachbearbeiterin aus der Einkaufsabteilung zu mir in die Projektleitung/Buchhaltung und fragte mich nach einer Rechnung von Firma X zu Produkt Y, weil eine Nachbestellung anstand. Ich erklärte dem Gänschen nachsichtig, daß die Rechnungen nicht nach Firmen abgeheftet seien und sie das Sachkonto, auf die sie seinerzeit gebucht worden war, aus der Bestellung ermitteln müsse, sodaß man dann die Rechnung auf dem Konto nachsehen und mit einem Griff in der hervorragend geführten Ablage finden werde.

Derweil hatte die junge Dame systemwidrig den Daumen angeleckt, wie rasend in den Rechnungsordnern der wahrscheinlichsten Zeitperiode geblättert und binnen zehn Minuten das Gesuchte gefunden, unterstützt durch ihre Erinnerung an die Farbe des Rechnungskopfes. Sie hat nie erfahren, daß sie mir eine der wichtigsten Lehren in meiner Laufbahn erteilt hatte: nicht alles, was vom vorgezeichneten Plan abweicht, muß erfolglos bleiben.

Eine Zeitlang half ich vor wenigen Jahren im Computerservice eines Freundes aus. Auch von diesem habe ich mir wenigstens das Prinzip abgesehen. Wenn ich eine Aufgabe habe, plane ich sie ein (verschiebe sie möglicherweise aber auch) und wenn eine Tätigkeit in der Reihenfolge weiter vorne liegt, kann sie die Ausführung der Wichtigeren eventuell bis zum St. Nimmerleinstag verschieben, um nicht vom Plan abzuweichen. Die Steuererklärung ist theoretisch in kürzerer Zeit fertiggestellt, wenn alles Papier und vor allem alle Belege sauber abgelegt ist, was Aufräumen zur Voraussetzung hat, wobei ausreichende Aktenraum förderlich ist, was evtl. zweckmäßiges Mobiliar (evtl. einen weiteren Schrank) bedingt oder eine Bereinigung (schreddern) der nicht mehr aufbewahrungspflichtigen Belege notwendig macht, um für ein neues Jahr Platz zu machen.
Meinem Freund ist so etwas wesensfremd. Wenn eine Aufgabe ansteht, die binnen einem Tag erledigt werden kann, arbeitet er sie eben weg und geht nicht schlafen, bevor er sie fertig hat. (Zugegeben hilft es, daß seine Frau sich um Wohnung und Essen kümmert). Ergibt sich beruflich ein Außentermin, so setzt er sich in's Auto und fährt hin, wo ich für einen Wochenendausflug Monate im Voraus Fahrt und Unterkunft plane.

Die "Verschieberitis" ist natürlich nicht geeignet, Selbstvertrauen aufzubauen. Dieses holt man sich vielleicht aus dem aktuellen Special Interest, etwa Webdesign, Internetforen (in denen ein geneigter Chor vorhanden ist, um Beifall zu klatschen) oder ein Hobby, das für niemanden etwas bedeutet ... in einer anderen Lebensphase sogar für einen selber nicht mehr.

Medikamente (SSRI) wegzulassen, die einem bisher geholfen haben, glücklich lächelnd das eigene faktische Unvermögen zu übersehen, ist schon mal ein guter Weg. "Zeitscheiben" für unangenehme Aufgaben einzuteilen, hilft, um wenigstens im Alltagsleben über die Runden zu kommen. Das starre Festhalten kann aber auch zum Bumerang werden, wenn man offensichtliche Anforderungen erst einmal verschiebt, weil das tägliche Putzen, Renovieren und was sonst man sich für jeden Tag vorgenommen hatte, den Tagesablauf bis zum Abend blockiert, beispielsweise, wenn ein unerwartetes Problem noch hinzukommt und einen arbeitsmäßig oder psychisch aus der Bahn wirft.

Ich will nicht die Wege von uns Aspies generell schlechtmachen. Anerkennung im Beruf oder im Verein (im weitesten Sinne) erhielt ich immer durch minutiöse Planung und fanatischer Durchführung derselben, ob ich den jahrgangsbesten Berufsabschluß erzielte (unter jahrelangen Opferung meiner privaten Beziehung), eine Abteilung aufbaute oder für meine Motorradkumpels perfekt ausgearbeitete Touren durchführte. Dennoch ... über die spezifischen Schwächen und ihre Hintergründe sollte man sich möglichst früh im Klaren sein.

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Re: Aufgabenstrukturierung und Selbstvertrauen

Beitrag von sharinchen am So 09 Nov 2014, 22:01

Hm, also ich kann sehr schlecht Erledigungen aufschieben. Alles, was ich mir für den entsprechenden Tag vornehme, muss am Ende erledigt sein, sonst verfalle ich regelrecht in Panik.

Seit ca. einem halben Jahr nehme ich Venlafaxin.  Meine Freundin wies mich letztens darauf hin, daß sie völlig irritiert war, wie lange die Kaffeetassen und der Kuchen bei mir standen ohne daß ich aufgeräumt habe. Mir war das gar nicht so bewusst.  SSRI scheinen wirklich einiges davon einzudämmen.  Ob das nun dauerhaft sinnvoll ist,  bezweifle ich.

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Re: Aufgabenstrukturierung und Selbstvertrauen

Beitrag von CriCri am Mo 10 Nov 2014, 01:32

sharinchen schrieb:... Alles, was ich mir für den entsprechenden Tag vornehme, muss am Ende erledigt sein, sonst verfalle ich regelrecht in Panik.

Das kenne ich sehr gut und ich habe nun wirklich 2,5 Jahre an mir gearbeitet um dieses denken/ fühlen abzulegen.
Denn meine Chefs werden es nie kapieren, dass ich zu viel Arbeit auf dem Tisch habe, wenn ich weiterhin alles erledige was ich mir vorgenommen habe.
Ich habe mir daher als Ziel genommen, dass Wegarbeite was kommt. Und was liegen bleibt, bleibt liegen.
So haben meine Chefs nun langsam verstanden und merken es regelmäßig, dass ich mehr Arbeit habe als ich in meiner Regelarbeitszeit abarbeiten kann.
Nur geändert hat sich seitdem noch nicht viel. Aber bei meiner Gesundheit ist es zu sehen, dass es mir hilft.

Privat halte ich es genauso. Wenn ich merke, dass mich Termine zu stressen beginnen, dann sage ich auch mal Termine (wie den alle 14 Tage stattfindenden Stammtisch) auch mal ab.

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Re: Aufgabenstrukturierung und Selbstvertrauen

Beitrag von sharinchen am Mo 10 Nov 2014, 01:35

Ja, vor allen Dingen ist es mit dem Erledigen der Arbeit nicht getan. Alles, was dann an Feedback kommt,  kommt ja wieder auf Dich zurück, sprich eben mal schneller machen, damit alles weg ist, geht nicht auf. Das mußte ich auch erst lernen.

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Re: Aufgabenstrukturierung und Selbstvertrauen

Beitrag von Oldaspie am Mo 10 Nov 2014, 02:29

Das kenne ich natürlich als die andere Seite der gleichen Medaille ... eine Aufgabe angehen und durchziehen, weil man sich nicht selber nicht vertraut, sie sonst überhaupt in absehbarer Zeit zu erledigen ;-) .

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